Rückblick

über 30 Jahre Diakonieverein Pöhl e. v. gegründet am 01.02.1991



Wie ging es denn eigentlich los?

Das Gesundheitswesen der DDR hatte sich zum 31.12.1990 aufgelöst, die Ärzte mussten sich selbständig machen, die Gemeindeschwestern waren arbeitslos und die kranken, hilfsbedürftigen Menschen konnten zunächst nicht weiter versorgt werden.

Der damalige Pfarrer von Jocketa, Pfarrer Wittig sowie der damalige Bürgermeister der Gemeinde Jocketa Herr Kunath hatten eine Idee:

"Ein neuer Hoffnungsschimmer für hilfsbedürftige Menschen auf dem Land -
der Diakonieverein Pöhl e. V."

stand damals in der Freien Presse geschrieben.

Zu den Gründungsgemeinden gehörten alle damals noch eigenständigen Gemeinden der jetzigen Gemeinde Pöhl, die Gemeinden Jößnitz und Syrau sowie die jeweiligen Kirchgemeinden.
Diese sind noch immer im Logo zu erkennen, welches von Herr Klaus Gürgens entworfen wurde.
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Kirche Jocketa - Kirche Jößnitz - Kirche Syrau und Windmühle Syrau, was die Gemeinden verbindet

Gründungsmitglied Herr Pfarrer Wittig beantragte ABM-Stellen und konnte den Kirchenvorstand Jocketa davon überzeugen, dass vorübergehend bis zur Gründung des Vereines die damaligen Gemeindeschwestern bei der Kirche Jocketa angestellt wurden, um somit die Versorgung natlos abzusichern. Der Verein hatte 39 Gründungsmitglieder. Frau Fischer wurde in den Vorstand gewählt und war damals schon für die Finanzen zuständig. Später erhielt sie einen Arbeitsvertrag als Geschäftsführerin.
Die beiden Gemeindeschwestern wurden nach der Gründung des Vereins am 01.02.1991  übernommen. Eine der Gemeindeschwestern, ist heute noch tätig und qualifizierte sich zur Pflegedienstleiterin.
Ab März 1991 wurden drei Hauswirtschaftshelferinnen und zwei Krankenschwestern eingestellt. Davon je eine Pflegekraft und eine Hauswirtschaftshelferin für Jößnitz und Syrau und die dritte Hauswirtschaftshelferin für Jocketa und Umgebung. Eine der  Hauswirtschaftshelferinnen qualifizierte sich später zur Altenpflegerin und ist auch jetzt noch tätig. Eine weitere, die ebenfalls noch im Diakonieverein Pöhl arbeitet, begann ihre Tätigkeit im Juni 1994.


Wie konnte die Arbeit organisiert und umgesetzt werden?

Ein Kundenstamm konnte nur in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten und bei Klienten mit "Klinken putzen" aufgebaut werden.
Da der Verein im ländlichen Bereich arbeitet, mussten auch damals schon täglich etliche Kilometer, anfangs zu Fuß oder mit dem Fahrrad, später mit Moped oder eigenem PKW bewältigt werden.
Seit November 1991 gab es dann drei Dienst-PKW, einen für jeden Bereich (Jocketa, Jößnitz, Syrau).
Auch damals wurde Essen auf Räder angeboten, welches anfangs mit dem Fahrrad ausgefahren wurde. Später konnte ein größeres Fahrzeug angeschafft werden, was zusätzlich auch für Fahrdienste genutzt wurde. Neben dem Stammpersonal wurde der Verein ab November 1992 regelmäßig durch Zivildienstleistende, später auch durch Bundesfreilligendienste unterstützt.


Welche Aufgabenfelder gab es noch neben der Pflege?

Ab Januar 1993 wurden die Seniorenclubs in Jocketa, Herlasgrün, Ruppertsgrün, Jößnitz und Syrau aufgebaut. Davon gibt es heute noch die Seniorenclubs in Jocketa und Ruppertsgrün.

Ebenfalls im Januar 1993 übergab die Gemeinde Pöhl eine Bürgerberatungsstelle, welche fünf Jahre besetzt wurde.

Ab Juni 1993 konnte für fünf Jahre eine Mitarbeiterin beschäftigt werden, die für die Aussiedlerbetreuung zuständig war. Zu der Zeit kamen viele Rußland-Deutsche in die Gemeinde und waren im ehemaligen Ferienheim in Herlasgrün (gegenüber vom Bahnhof) untergebracht. Die Mitarbeiterin war damals für alle Belange zuständig und musste in der Zeit noch die Ausbildung zur Sozialarbeiterin absolvieren. Als sie fertig war, musste das Aussiedlerheim geschlossen werden. Das Wohnen in dem Aussiedlerheim war nicht mehr möglich. So wurden die Aussiedler in anderen Städten und Gemeinden untergebracht und der Verein war nicht mehr zuständig.
Damals versprach Frau Fischer der Mitarbeiterin, dass sie sie "zurück hole", sobald sich etwas Neues ergibt. Dieses Versprechen konnte sie nach neun Jahren einlösen und so konnte der Verein die Mitarbeiterin mit Beginn der Wohngemeinschaften in Christgrün wieder gewinnen.

Im März 1994 sollte der Verein das neue Altenpflegeheim in Jößnitz übernehmen. Nach drei Jahren intensiver Vorarbeit beschloss der Landkreis das Pflegeheim weiterhin in eigener Trägerschaft zu behalten.

Im April 1994 kam der Eigentümer des ehemaligen Ferienheimes Jößnitz auf den Verein zu, weil er dieses in ein "Betreutes Wohnen" umbauen wollte. Es entstanden 48 Wohneinheiten, die am 01.07.1995 mit einem Generalmietvertrag übernommen wurden.
Die Mieter hatten eigene Wohnungen und wurden von den Mitarbeitern der Sozialstation gepflegt, versorgt und betreut. Sie konnten täglich ein gemütliches Beisammensein genießen, ob beim gemeinsamen Mittagessen oder beim nachmittäglichem Kaffeekränzchen, oder Spielenachmittag. Es wurde nie langweilig.
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Im Wandel der Zeit

Es kamen und gingen Mitarbeiter besonders im Bereich Syrau. Durch den aktiven Einsatz des DRK und privater Pflegedienste wurde die Versorgung in Syrau und Umgebung 1996 eingestellt.

Für die Bereiche Jößnitz und Pöhl mit seinen Ortschaften folgten weitere Mitarbeiter. Viele sind auch heute noch im Verein tätig.

Da die Räumlichkeiten für die wachsenden Mitarbeitern immer wieder zu klein wurden, musste die Geschäftsstelle mehrmals umziehen. So saß diese in Jößnitz in der Bahnhofstraße 10, dann in der Goethstraße 2 (mietfrei von der Gemeinde überlassen), dann im Betreuten Wohnen in der Bahnhofstr. 1 und nun seit dem Umzug im Jahr 2007 in Christgrün, einen Ortsteil der Gemeinde Pöhl.

2005 stand der Verein vor einer großen Entscheidung, denn der Zustand der Wohnanlage und die Zusammenarbeit mit dem Vermieter wurde immer schlimmer, sodass beschlossen wurde, den Vertrag zum 30.06.2007 zu kündigen.

Aber, die Entscheidung war gefallen und der Verein stand vor einer neuen Herausforderung.
Zunächst waren dieser auf der Suche nach neue Räumlichkeiten für die Sozialstation und Geschäftsstelle und dann noch nach einem neuen Zuhause für vier Bewohner, die mit umziehen wollten.
So kam es, dass die Wohngemeinschaften in Christgrün geschaffen wurden, die es mittlerweile auch schon wieder
14 Jahre gibt.
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Sowohl beim Betreuten Wohnen in Jößnitz als auch bei den Wohngemeinschaften war der Diakonieverein Pöhl die erste Einrichtung in Sachsen und keiner konnte helfen, da die entsprechenden Gesetze noch nicht in Stein gemeiselt waren. Aber er hat es geschafft. Anfangs gab es viel Skepsis, aber inzwischen ist die eine Wohngemeinschaft mit anfangs vier Bewohner auf mittlerweile zwei Wohngemeinschaften mit insgesamt 24 Bewohner gewachsen.

Inzwischen beschäftigt der Diakonieverein Pöhl e. V. insgesamt 40 festangestellte und drei ehrenamtliche Mitarbeiter, die in der Sozialstation, in den Wohngemeinschaften, in der Seniorenarbeit und in der Geschäftsstelle tätig sind.
Die 30 Jahre waren bisher eine schöne Zeit. Es gab Höhen und Tiefen die gemeinsam mit Vorstand, Geschäftsführung und Mitarbeitern bewältigt wurden.


Vorschau auf die nächsten Jahre


Wie geht es weiter?

Der Diakonieverein Pöhl e. V. bleibt nicht stehen. Auch er möchte neue Perspektiven. Daher plant dieser derzeit eine Tagespflege und zwei neue Wohngemeinschaften in Christgrün.

Mehr dazu finden Sie in der Rubrik Vorhaben

Juni 2021